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Titelaufnahme

Titel
‚Rückkehr in die Kindheit‘ oder ‚Tod bei lebendigem Leib‘? : Ethische Aspekte der Altersdemenz in der Perspektive des Lebensverlaufs
VerfasserSchweda, Mark ; Jongsma, Karin
Erschienen in
Zeitschrift für Praktische Philosophie, Salzburg, 2018, Jg. 5, H. 1, S. 181-206
Erschienen2018
SpracheDeutsch
DokumenttypAufsatz in einer Zeitschrift
Schlagwörter (DE)Demenz / Konzeptionen / Ethik / Biographie / Metaphern
Schlagwörter (EN)dementia / concepts / ethics / biography / care / metaphors
ISSN2409-9961
URNurn:nbn:at:at-ubs:3-8940 Persistent Identifier (URN)
DOI10.22613/zfpp/5.1.8 
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‚Rückkehr in die Kindheit‘ oder ‚Tod bei lebendigem Leib‘? [0.56 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Unsere Sicht der Demenz ist von kulturellen Metaphern geprägt. Sie ziehen Analogien zu vertrauten Erfahrungsbereichen und eröffnen so ein Verständnis von einem ansonsten schwer fassbaren und letzten Endes unergründlichen Geschehen. In zeitgenössischen Diskursen über die Demenz spielen insbesondere zwei biographische Metaphern eine maßgebliche Rolle: die der ,Rückkehr in die Kindheit‘ und die des ,Todes bei lebendigem Leib‘. Der Beitrag unterzieht beide Vorstellungen einer kritischen Reflexion. Er erläutert zunächst die kulturgeschichtliche Herkunft und Bedeutung der Kindheits- und Todesmetapher. Im Anschluss geht er ihren Implikationen für das Verständnis von Demenz und die Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber den Betroffenen nach. Dabei kommt eine Lebensverlaufsperspektive zum Tragen, die die Bedeutung der zeitlichen Erstreckung und Verlaufsstruktur des menschlichen Lebens für die ethische Theoriebildung systematisch zu berücksichtigen sucht. Auf diese Weise lässt sich verdeutlichen, dass beide Metaphern die Altersdemenz letztlich einem anderen Punkt des menschlichen Lebens angleichen und sie damit in je unterschiedlicher Weise als eine Art biographischer Normabweichung auffassen. Die Auseinandersetzung erlaubt Schlussfolgerungen mit Blick auf medizin- und pflegeethische Debatten um Selbstbestimmung, Stellvertreterentscheidungen und Vorausverfügungen im Kontext der Altersdemenz. Auf einer theoretisch-konzeptionellen Ebene verdeutlicht sie darüber hinaus auch die Bedeutung einer biographie- und kultursensiblen Perspektive für die ethische Theoriebildung im Allgemeinen.

Zusammenfassung (Englisch)

Our understanding of dementia is shaped by cultural tropes. Such tropes may be helpful in making sense of an otherwise elusive and ultimately inscrutable state. In contemporary discourses on dementia, two tropes play a prominent role: the ‘return to childhood and the ‘living death. This article subjects both cultural tropes to critical reflection. It first explains the cultural-historical origin and meaning of the ‘second childhood and ‘living death metaphors. It then explores their implications for our understanding of dementia and our attitudes and behaviors towards those affected. In doing so, it employs a life-course approach that draws attention to the normative significance of the temporal dimension and structural whole of a human life. In this way, it turns out that both metaphors essentially compare dementia with a different stage in human life and thus regard the condition as a deviation from biographical norms. The article then draws conclusions for ethical debates about self-determination, substitute decision-making and advance directives of people with dementia. Moreover, on a theoretical-conceptual level, it highlights the significance of a biographical and cultural-sensitive perspective for ethical theorizing.

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